Wie weiß eine Shiatsu-Praktikerin was sie zu tun hat?

Beim Shiatsu gibt es verschiedene „Instrumente“ um sich eine „Diagnose“ zu verschaffen.
Wobei erwähnt werden muss, dass sich Shiatsu weder therapeutisch noch diagnostisch an westliche Krankheitsbilder orientiert. Eine Diagnose nach westlicher Sicht bewertet die Situation des Klienten und kategorisiert seine Erkrankung.

Beim Shiatsu allerdings wird der Mensch in seiner Ganzheit betrachtet. Sein Körper wird nicht getrennt von seinem Gemüt gesehen.
Das heißt, wenn jemand zur Shiatsu-Behandlung z. B. wegen Gastritis oder Lumbago kommt, wird nicht nur der Magen oder der Rücken behandelt, sondern sein gesamter Organismus, sein gesamtes Wesen. Seine ganze Lebensweise wird betrachtet und hinterfragt.
Genauso, wenn jemand wegen Müdigkeit, Schlaflosigkeit oder depressiven Verstimmungen kommt, wird die Ursache dafür erforscht und nicht nur Tabletten verordnet.
Für diese „Ursachen-Erforschung“ und Einschätzung des gegenwärtigen energetischen Zustandes
wird der Shiatsu-Praktiker:

  • bunshin – das bedeutet soviel wie hören, lauschen, bzw. zu hören
  • boshin – betrachten, beobachten,
  • setsushin – berühren, erfühlen und ebenso
  • monshin – befragen.

Berührt und erfühlt werden das Hara (energetische Zonen am Bauch), der Rücken, die Meridiane, der Puls. Doch ebenso wird an diesen Arealen gelauscht, beobachtet und „befragt“.
Dabei legt man besonderes Augenmerk darauf Bereiche zu erkennen, die sich in Kyo (Leere) oder Yitsu (Fülle) befinden. Es gilt dann diese Bereiche entweder zu „nähren“ – also mit Qi zu versorgen, bzw. dorthin das Qi zu lenken, oder eben den Bereich des Körpers, der sich in Yitsu zeigt zu sedieren – also das Qi anregen sich so zu bewegen um dorthin zu fließen, wo Kyo „herrscht“.

Kyo oder Yitsu- Bereiche werden sowohl im Meridiansystem als auch am Hara oder auf der Rücken-Diagnose-Zone wahrgenommen.

Die Betrachtung der Zunge verrät uns Praktiker ebenfalls, was sich wirklich im Inneren des Körpers „abspielt“.

Der Klient wird weiters über seine Vitalität, seinen Schlaf, seine Verdauung und über vieles mehr befragt.
Seine Lebensgeschichte muss ebenfalls einen Platz in der „Befund-Erhebung“ finden.

All diese „Instrumente“ helfen der Shiatsu-Praktikerin sich ein umfangreiches energetisches Bild zu machen und geben ihr somit die nötigen „Werkzeuge“ und einen „Plan“, damit sie weiß, wo sie bei den individuellen Klienten ansetzen muss um ihn bestmöglich in seinem Prozess zu unterstützen.